Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, dann versuch´s mal mit Routine…

Originalsituation heute Schlag 12 Mittags:

Ich hatte eine etwas gewagte Essenszusammenstellung – geschmorrte rote Bete und Tomatensoße…ich bin jemand, der die Obst-Süß-Gemüse-Herzhaft-Grenzen als etwas fließendes ansieht. Ich denke, dass werde ich von Oma haben, schon sie hat bunt zusammengewürfelt, was bei anderen Menschen die Geschmacksknospen implodieren lässt. Kurzum, Rollmops mit Schokoladenkeksen in den unterschiedlichsten zeitlichen Abfolgen, gehört jetzt nicht zu meinen kulinarischen Herausforderungen.

Also, zurück meinem Mittag, ich dachte noch, als ich heute alles zusammenstellte, sag einfach niemandem, das unter dem von mir als als absolutes Topping darauf gestreuten Bergkäse sich rote Bete befindet, dann wirkt´s vielleicht nicht ganz so arg befremdlich… Doch solche Vorhaben gelingen mir meistens, so wie auch heute, nicht – als Sophie fragte „Was hast du denn heute Feines?“ habe ich sofort alles gestanden und mich gleich mal für meine kulinarischen Verwirrungen entschuldigt 😉 So bin ich, ich sag gern mal sorry, damit Ruhe ist – sollte diesbezüglich wahrscheinlich mal mein inneres Kinde befragen, doch ich sag´s mal so, mein Leben wird gefühlt dadurch um einiges einfacher und was andere von mir halten, naja Übung macht den Meister…

Nun ging also der Dialog nach meinem Geständnis folgendermaßen weiter:

Sophie: „Ach das ist doch nichts schlechtes.“

Ich: „Naja, schräg ist es schon, besonders der Käse drüber.“

Sophie: „Ach, mit Käse geht alles – du weißt doch, im nächsten Leben machen wir auch irgendwas mit Käse.“

Darauf wieder ich: „Ach du meinst die 3 magischen Worte?“

Wieder Sophie: „Ja, die – Mit Käse überbacken“

Und ich: „Wer brauch schon Liebe, wenn er Käse haben kann…“

Ich kann das Leben erklären, definitiv 🙂

Solche Begegnungen zwischen Menschen sind keine Routinen, sondern immer kleine Abenteuer…und ganz ehrlich, die kleinen Aufregungen, ich rede jetzt natürlich nur von denen mit Zuckerguss, sind doch das, was unser Leben ausmacht. Die nicht vorherzusehenden Pfade, Wendungen und auch Irrungen, die egal welche Begegnung mit sich bringen, sind mit offenen Augen gesehen, das Schönste. Was daraus entsteht, welchen Eindruck es in unserem Leben hinterlässt, wie es uns verändern kann – wer weiß, wer weiß! Und heute haben wir gemeinsam gelacht, ich weiss es nicht, also hat’s Spuren hinterlassen…Spannend, oder???

Klar habe ich im letzten Beitrag geschrieben, dass ich mir gerade versucht habe, eine Routine anzueignen. Ja, ich finde, so ein paar Lebensroutinen an den richtigen Stellen machen schon gelassener und weniger Herzklopfen, als permanent Lebensabenteuer in den winzigsten Situationen mit ungewissem Ausgang zu erleben…routinierte Verhaltensweisen können demnach Katastrophen verhindern!

Doch ich kenn auch Begegnungen mit Menschen, bei denen nicht das helle Licht der Zuversicht zwischen uns geleuchtet hat. Bei denen man sofort denkt – Ach Nö, das Leben hat doch bitte anderes mit mir vor, als genau dieses Zusammentreffen jetzt! Meist erwidert das Leben zwar Ach Du, Doch – hör auf zu jammern! …Und da müssen wir dann wahrscheinlich durch, um auch die höchste Stufe des Menschseins zu erklimmen! Genug des Pathos…

Eine solche Begegnung ist mir im Gedächtnis geblieben, in der ich dachte, wo ist das Fluchtauto, was mach ich hier und was nur in allerwelts Namen habe ich nur verbrochen?! Bestimmt ist vielen schon einmal ein Menschen begegnet, der die Aura eines Sauertopfes (humorloser Mensch mit vorwurfsvoll-missvergnügter Miene) hatte. Mir ja, in Gestalt einer Dame im mittleren Alter, der ich unabhängig und unbeabsichtigt in verschiedenen Lebenssituationen begegnet bin…Also kennengelernt habe ich sie auf einem Behördenflur, was an und für sich schon eine Umgebung ist, die nicht dazu beiträgt, neue Freund zu finden. Wir waren unfreiwillig Leidensgenossen und da ich ein sehr kommunikatives Mädchen bin, sprach ich sie einfach an und floskelte „Sie auch hier, Ämter, was für Zeitverschwendung und so weiter…“ Wie man das halt so macht, nur was da zurück kam, ließ mich an allem Optimismus zweifeln, den ich bis dato innehatte. Alleine Tonlage, Stimme und Wortwahl ließ erst darauf schließen, dass diese Dame ein sehr unglückliches Leben führen musste. Im weiteren Verlauf kam heraus, dass sie sehr wohl, zumindest was die Rahmenbedingungen angeht, schon ein gewisses Glück im Leben hatte, wenn ich andere Vergleichsleben heranziehe. Haus, Garten, Kinder, Enkelkinder, guter Job, Hund und dann auch noch ´nen Mann.

Manche würden sonst etwas tun, um diese Reinform des bürgerlichen Lebens zu erreichen. Doch sie nicht, sie war unzufrieden, spürbar mit jedem Satz, jeder Bewegung, jedem Verziehen ihres Mundes – sie sprach und dachte von allem schlecht und das mit jeder Faser ihres Wesens. Natürlich musste ich durch gezielt belanglose Fragen herausfinden, was da los ist, an irgendetwas muss sowas doch liegen…also viele Fragen später war ich aber nicht schlauer. Was ich bis dahin wusste, dass sie ihren Hund nicht leiden konnte, weil er haart, ihren ManMann auch nicht so richtig, weil er lieber in die Berge wollte und von ihren Kindern ganz zu schweigen, die würden ihr immer dasselbe zum Muttertag schenken (eine selbstgezogene Sonnenblume seit ca. 26 Jahren immer wieder auf´s Neue – ich fand´s ja grundsätzlich erst einmal süß, naja). Alles nicht richtig, nicht gut, nicht erfüllend, wie sie aussah, ihr Gesicht und ihre Körperhaltung war in jedem Fall frei nach Origami perfekt negativ gefalten. Leider konnten wir unser Gespräch nicht beenden, da der Beamte auf einmal Zeit für mich hatte, so konnte ich leider nicht ergründen, woran es lag. Doch beschäftigt hat es mich noch lang, das weiß ich noch und ich wollte alles daran setzen, nie aber auch nie so zu enden.

Ich begegnete nun der Frau ein paar Wochen später in einem Einkaufsmarkt wieder, sie hat mich nicht erkannt, gut so, ich war sowieso da gerade nicht in bester bzw. in Plauderlaune. Doch was mir aufgefallen ist, sie marschierte (so möchte ich es wirklich ausdrücken) durch die Gänge, hocherhobenen Hauptes und alle anderen Menschen sind ihr aus dem Weg gegangen, rein intuitiv, wahrscheinlich um sich vor soviel angestauter Wut und Pessimismus zu schützen. Es war ganz deutlich zu spüren, was der Mensch doch für einen Instinkt hat und gefährliche Situation sofort realisiert, nicht das sie noch die 2,5 kg Jagdwurst aus dem Kühlregal ergreift. Auch ich war froh, in kein Gespräch verwickelt geworden zu sein, denn, wie gesagt, ich war nicht gut drauf an diesem Tag und ihr absoluter Pessimismus hätte mich bestimmt noch mehr verwirrt.

Rückblickend weiß ich natürlich immer noch nicht, was das bei ihr war. Ich erkläre es mir so, durch immer gleiche Abläufe und Muster (Hund haart, Mann will in die Berge, Kinder schenken seit Jahrzehnten selbstgezogene Sonnenblumen) entsteht ja erst die Routine und um es jetzt mal mit Paulo Coelho zu sagen: „…Die ist tödlich.“

Im Gegensatz zu dieser Frau Sauertopf bin ich eher der Typ – Verändere deine Einstellung, irgendwas wird schon rauskommen – im schlechtesten Fall hast du wenigstens was gelernt! Aber vielleicht zeigt gerade dieses Beispiel, dass man manchmal einfach die Klappe aufmachen sollte, um seine Wünsche wahr werden zu lassen. Vielleicht weiß ja auch der andere gar nichts davon, dass man ihn oder das was er tut total nervig findet oder er denkt´s auch von dir, traut sich aber auch nicht…Dilemma, Dilemma 🙂 Und hier ist es, das Schlüsselwort – Vertrauen, wir müssen vertrauen, dass wir uns trauen, das Abenteuer Leben zu leben…und wem vertrauen wir in aller aller erster Linie erst einmal – uns selber natürlich!

Also vertraue ich und traue mich – Abenteuer sind gefährlich, sicher, aber sie können auch aufregend sein – also macht einfach, da könnt ihr wenigstens nicht sagen, ich hab´s nicht einmal versucht und so zum humorlosen Menschen mit vorwurfsvoll-missvergnügter Miene werden – außerdem macht es nicht hübscher 🙂

Abenteuerliche Grüße 💚

Quelle Zitat: Paulo Coehlo „Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, dann versuch´s mal mit Routine. Die ist tödlich.“

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